1 1/2 Baitcastrute - Eigenbau für´s etwas derbere

IntroGentlemen, das Sauwetter hat mich einen lang gehegten Gedanken in die Tat umsetzen lassen: Meine alte Zanderjigge 2,70 lang, WG 10-45 Gramm stand einfach nur noch rum. Sie hat mir u.a. 2003, dem Jahr ihrer Anschaffung, meinen ersten Meterhecht bezwungen und war zu ihrer Zeit nicht nur vom Preis, sondern auch von der Performance her in etwa die Spitze des Fortschritts. Also 2,70 sind mir zum Spinnfischen mit der BC etwas zu lang. Ohne größere Skrupel wurde sie fein säuberlich über dem Handteil abgesägt und entringt. Der durchaus straffe Blank entsprach so auch meinen Vorstellungen. Er mißt 7 Fuß, 5 1/2 Zoll.

Die Beringung erfolgte nach NGC für 7´6" Ruten in 9 + 1. Ich habe vorsätzlich sehr kleine Durchmesser gewählt:

5,3,3,4,4,4,5,5,6,8, den Bockring als Zweisteg. Reel Seat von Fuji.

Portrait01Achso, da ich keinen geeigneten Winding-Check hatte, habe ich einfach eine entsprechende konische Bindung angebracht. Es fehlten allerdings noch mindestens 4 Lackschichten - sie ist viel zu früh zum Fototermin gebeten worden.
Der Griff sieht etwas unbeholfen aus, aber ich hatte damit alle Mühe.
Er besteht aus einem abgesägten Baumpilz. Tramete wahrscheinlich - oder Zunderschwamm. Voriges Jahr abgeschnitten, in Kanteln gesägt, durchbohrt und ein Jahr trocknen lassen. Drechseln ging nicht, da zu zäh. Reißt dann ein. Also schleifen. Da er aber auf der Fleisch- und der Röhrenseite unterschiedlich hart ist, ist auch das Ergebnis etwas unregelmäßig. Fest ist er und dennoch weich, wie ein Mausefell. Ich hatte (logischerweise) noch nie so ein Feeling in der Hand. Die ganze Rute wiegt aufgebaut 109 Gramm. Da sie so doch etwas vorkippt, habe ich ihr hinten ein austauschbares Trimmgewicht von derzeit 16 Gramm eingeschoben. Ich denke mal, dass auch 125 Gramm für eine 2,26 m lange Baitcastrute mehr als ok sein dürften...
Besattelt habe ich sie mit meiner ABU Revo SX, die ich bereits im Zusammenhang mit meinem "Dornröschen" vorgestellt habe. Aufgespult ist eine neue Stroft GTP Type 3 (10 kg). Nun, die Probe am Wasser dürfte sie bestanden haben. Sie läßt sich angenehm mit einer Hand werfen, aber auch die Unterstützung der zweiten verträgt sie ohne Protest.
Zwei Hechtlein um die Mitte 50 hat sie beim ersten Auführen ans Wasser problemlos bezwungen und gleichzeitig eine herrliche Performance bewiesen.
Durch das eingekürzte Unterteil ist die Aktionskurve eher in den Bereich fast (spitzenbetont) statt reg-fast (semiparabolisch) gerutscht, was mir beim Anhieb und Animieren von Swimbaits entgegenkommt. Ich denke, daß ich daran
noch viel Freude haben werde.
Portrait02

 
Bisheriges Drill-Highlight war der Meter, der sich in einer Entfernung von 15-18 m in den Seerosen auf den Swimbait gestürzt hat. Problemlos und zäh, wie eine Stahlfeder hielt sie den Brocken fest - eine seitliche Flucht fingen Rute und Rolle  nach wenigen Metern ab. Beim Herankurbeln allerdings geriet zwischen Fisch und Fischer eine armdicke Kalmuswurzel, an welcher dieser Satan sich doch infamerweise den 8.0´er Haken noch mal abstreifen konnte.... Adrenalin pur, das kann ich versichern.
Eine Woche später bekam ich Besuch vom Betreiber dieses Forums und diesmal klappten Anhieb, Drill und Landung einer nicht ganz so großen,  aber recht stattlichen und wunderschönen Hechtdame, im Rahmen der Wublitz-Tour mit unserem Peter:
Wublitz-Dame

Ich hoffe mit dieser Rute noch viel Freude und aufregende Abenteuer bestehen zu dürfen und freue mich bereits auf die kommende Saison....

Grüße

Euer Klaus{jcomments on}