Brandenburg - Zu Besuch beim alten Barschzocker

Sonnenaufgang Wublitz(Brandenburg)Bereits im Frühjahr diesen Jahres verschlug es mich zum ersten mal nach Brandenburg. Ziel war der Speckgürtel Berlins nahe Potsdam. Mein Interesse galt aber nicht der brandenburgischen Landeshauptstadt mit ihren bekannten Sehenswürdigkeiten. Weder die Sommerresidenz Friedrich des Großen "Sanssouci", noch die Russische Kolonie "Alexandrowka", oder das Holländische Viertel hatten ihre Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Nein, mein Besuch der reizvollen Kulturlandschaft war der Einladung von Klaus' geschuldet. In den 3 Tagen meines Besuches fokussierten sich unsere Gespräche ganz klar auf Theorie & Praxis im Umgang mit der Baitcaster. Unsere Fänge sollten bescheiden bleiben, doch alleine das Hantieren mit feinsten Tackle und dem Ausführen unseres Hobbys unter der Prämisse der Kunst, hielten uns bei Laune. Reine Kunst, völlig losgelöst von irgendeinem Zweck (Paulus Hochgatterer). Selten habe ich mich so verstanden gefühlt...

Während einer der vielen Plaudereien erzählte Klaus beiläufig von den herbstlichen Wanderungen der Hechte und wo sie sich gegen Jahresende an diesem Gewässer einfinden werden. Im Nachhinein denke ich, haben wir in diesem Augenblick, ohne ein Wort zu sprechen, den Zeitpunkt meines nächsten Besuches vereinbart. Dieser Besuch bekam ein Datum, als eine Email in mein Postfach flatterte, die sinngemäß verlauten lies "Peter, die Hechte stehn vorm Stich!".

Die übliche Einleitung eines Fangberichtes mit dem obligatorischen "wann der Wecker klingelte", "wie der Kaffee schmeckte", "was an der Tanke noch schnell gekauft wurde" und "welches Accessoire vergessen wurde" erspare ich Euch. Nach einem üblen Stau und ~600 hinter mir liegenden Kilometern, endlich angekommen, hatten wir nicht gerade viel Zeit bis zum Sonnenuntergang. Meine Sachen packte ich gar nicht erst aus, sondern räumte nur mein Tackle vom einen ins andere Auto, um schnellst möglich zum Boot zu kommen. Am frühen Abend zeigte mir Klausi dann erstmal wie man es macht:

kapitaler Wublitz-Hecht

Im Anschluss gab es noch ein paar gute Möglichkeiten in Form von Anfassern und Nachläufern. Meine Wenigkeit verstand es aber, jedem Fisch den Köder gekonnt und gefühlvoll aus dem Maul zu ziehen ;-) An Tag 2 mussten wir einen Vollschneider ohne jeglichen Fischkontakt hinnehmen. So entschieden wir uns am frühen Nachmittag abzubrechen und zur Cat & Predator zu fahren. Auch dort kam ich ungewollt zu zweifelhaften Ruhm. Nachdem die Worte "Boah Klaus, kuck mal was für hässliche Stecken" über meine Lippen gingen, drehte sich ein Mann im Berkley-Pullover um und fragte genauer nach bzw. verteidigte das "geile Design". Im nächsten Augenblick dämmerte es mir, Johannes Dietel dem "Gummi-Papst" himself gegenüber zu stehen. Verdammt peinlich!!!

Der Gegenstand dieser Äußerung war die ABU Fantasista Suisho. Deren milchig-sperma-weißer Reel-Seat schon tuntig aussieht, vom Weiß des Blanks ganz zu schweigen - na  wer´s braucht....

"Über Geschmack lässt sich nicht streiten", murmelte ich noch schnell vor mich hin, was auch gleichzeitig meine Verabschiedung, von diesem bösen Fettnäpfchen war.

Schwugele-Heavy-Cover-KopytoDen Abend verbrachten wir - wie sollte es anders sein - mit Baitcaster-Theorie und bastelten nebenbei ein paar Köder. Hierbei handelte es sich um ein paar günstige Gummis, welche wir auf der Messe abgegriffen haben. Für die neuen, sehr großen Offset-Set wurden 15cm lange Kopytos stark adaptiert und zum hängerfreien Swimbait umfunktioniert. Dieser im Forum als "absolut genial" bezeichneter und "Schwugele-Heavy-Cover-Kopyto" getaufter Köder sollte auch noch Fisch bringen ;-)....

Rapala X-Rap ShadAm Tag 3 ging es wieder bitterfrüh aufs Wasser. Gefühlt war es noch mitten in der Nacht, da wir am Abend durchaus die Zeit vergessen hatten und es erst deutlich nach Mitternacht in die Falle geschafft haben. Anyway, zum Sonnenaufgang stachen wir in See. Die ersten 1-2 Stunden verliefen sehr ruhig und alles andere als verheissungsvoll. Es war wie eine Erlösung, als ich zwischen dem Totholz nahe dem Ufer, Raubfischaktivität meldete. Klausi fuhr Punktgenau zum erspähten Spot, wo ich in aller Seelenruhe einen Rapala X-Rap Shad montierte. Vor meinem Wurf noch die Ansage, dass ich diesen Köder selten, aber wenn mit Erfolg fische und nun meinen Hecht fange. Der Entschneiderer machte sich erst kurz vor dem Boot bemerkbar. Der Biss erfolgte auf Sicht, yeah!

Entschneiderer

Mein Gastgeber konnte somit schonmal sein Versprechen halten und hat mich zum Fisch geführt.

Viel Zeit blieb nicht mehr, denn von 12:00 bis 15.00 Uhr herrscht ein Motorfahrverbot auf dem See und irgendwann mußte ich ja auch wieder den Heimweg antreten. Doch wer kennt es nicht, angefixt durch das Erfolgserlebnis, wurde noch mal alles gegeben und das Wasser schaumig gepeitscht. Es ging zu wie bei einem "Bass-Championship".Homo-Hecht Klausi startete alle paar Minuten den Motor und brauste zum nächsten Spot. Noch während der Driftphase flogen die Gummis wieder gen Horizont bzw. in die Seerosen. Ich weiss nicht mehr der wievielte Spot es war den wir sternförmig abwurfen, aber nachdem am mutmaßlichen Aufenthaltsort von Klausis' Bait eine Bugwelle auszumachen war, knallte es nach gezieltem Wurf in dieses Gebiet an meiner Flitsche. So brachte mir die Schlussoffensive doch noch einen besseren, brandenburgischen Esox. Als wäre es dem Guten nicht genug, natürlich auf den "Schwugele-Heavy-Cover-Kopyto"!

Nun gut, 3 Hecht in 3 Tagen sind nicht wirklich spektakulär, aber die Tatsache, dass die Hechte vorort waren und immer Aktivität und/oder Attacken zu verzeichnen waren, ließen den Angeltag wie im Zeitraffer vergehen.

Beweggründe für ein solches Treffen sind wahrscheinlich immer die Neugier ein Forenmember persönlich kennenzulernen, der Erfahrungsaustausch und das gemeinsame Fischen. Dieser Austausch von Erfahrungen, das Werfen unterschiedlichster Combos und die Möglichkeit auf jahrelange Praxiserfahrung im Umgang mit der Baitcaster zurückgreifen zu können, war für die Ausübung meiner Leidenschaft - "der reinen Kunst, völlig losgelöst von irgendeinem Zweck" - ein absoluter Gewinn.

 

regards

Peter