Schwarzbarschangeln am Ebro/Mequinenza

Blackbass Schwarzbarsch Rio Ebro MequinenzaDer Wurf vom Boot aus 15 Meter Entfernung trifft genau. Der Köder landet auf der Felskante wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche. Allein bei solch einem Treffer stellt sich Euphorie und Glücksgefühl ein, was aber nur für den Hauch eines Augenblicks festgehalten werden kann, da dieser Zustand sofort in konzentrierte Anspannung übergeht.

Es gilt die nächsten Momente vorzubereiten und auf das möglich Kommende gefasst zu sein. Die Rute steht auf 11 Uhr. Ein dosierter Ruck lässt den Krebs am 11g schweren Jigkopf ins Wasser fallen. Mit dem Ruck geht das Einholen der Schnur einher. Nur wenige Umdrehungen. Der nächste Wimpernschlag entscheidet. Der Einschlag. Obwohl erhofft, erwartet, tausendmal bereits erlebt, geht es durch Mark und Bein. Jedes Mal. Dafür sind wir nach Spanien an den Ebro gefahren.

 

Der Einstieg in eine neue DrogeBlackbass Schwarzbarsch Rio Ebro Mequinenza

Mein Freund Helmut, der bereits meine Leidenschaft für das Vertikalangeln geweckt hat, schwärmte mir schon seit langen von dieser Sucht vor, die auch mich befallen würde. Also sagte ich zu und freute mich fast ein Jahr lang auf Spanien und die neue Droge, dem Schwarzbarschangeln. Denn wenn einer weiß, was gutes Angeldope ist, dann Helmut. Man denke nicht, dass der Einstieg in diese Sucht einfach ist, sich einfach so ergibt. Gekonntes Spinnfischen ist eine Voraussetzung. Präzision dabei eine andere. Im Ebro-Revier war oft der berühmte Wurf auf den Bierdeckel entscheidend. Wirft man wenige Zentimeter zu weit, klemmt der Köder in einer Felsspalte fest. Ist der Wurf zu kurz, reicht die Köderpräsentation nicht aus, um den Beißreflex auszulösen. Am Schönsten und Intensivsten waren die Momente während unserer Angelwoche, in denen Helmut und ich zu zweit die herrlichen Buchten abfischten. Es waren die Phasen, in denen wir wie im Rausch maschinenhaft gleich unsere Würfe perfekt punktgenau platzierten und dem Einschlag entgegenfieberten. Jeder hatte dabei die Landung des Köders des anderen im Augenwinkel, um die mögliche Attacke mitzuerleben. Kam es beim anderen zum Biss und Drill, war dies für den Beobachter ein ebenso intensives Erlebnis. Unfassbar mit anzusehen, mit welcher Energie der Schwarzbarsch mit seinem großen, weitgeöffneten Maul Anlauf nimmt, explosionsartig aus dem Wasser schießt, um mit einem heftigen Kopfschütteln den Köder auszuspucken. Jetzt wirkt die Droge von einer Sekunde auf die andere am Heftigsten, das Virus ist im Blut. Man will mehr davon. Spuckt ein großer Barsch den Köder kurz vor dem Boot aus, taucht ab, ist weg, bleibt nur das unverbrauchte Adrenalin im Blut, was die anschließende Leere noch unverdaulicher macht. Dies ist aber nur anfangs so. Nach einigen Fights erkennt man die Kampfkraft und Gewitztheit seines Gegenübers an. Der Sieg ist nie vorprogrammiert und daher immer ein besonderer. Und das macht das Schwarzbarschangeln so besonders, so einzigartig.

 

Die Spots

Neben den überstehenden Felskanten entdeckten wir als weitere Hotspots die flachauslaufenden Sandbuchten und Bachzuläufe. Obwohl offensichtlich kein Fisch im flachen, glasklaren Wasser zu sehen ist, werfe ich meinen Crankbait an die Uferkante. Der Barsch muss aus dem Nichts gekommen sein. Die Attacke, nur wenige Zentimeter vom Ufer entfernt, ist so überraschend und heftig, dass sich ein Anhieb erübrigt. Da der Bait aus großer Entfernung geworfen ist, ist an den typischen Drill auf Biegen und Brechen nicht zu denken. Die Sprünge in der Flachwasserzone sind daher umso spektakulärer. Hätten nicht durch Zufall 2 Haken des Drilllings sicher im Maul gesessen, der 47iger Barsch wäre als verdienter Sieger aus diesem Duell hervorgegangen.

Öfters gab es auch den umgekehrten Fall. Große Barsche gleiten gemächlich im flachen Wasser neben oder unter dem Boot umher und beachten die verschiedenen noch so kunstvoll geworfen Köder in keiner Weise. Es bedurfte einige Zeit, um die Einsicht zu erlangen, solch einen Spot bei Zeiten, wenn auch widerwillig, aufzugeben und sich nach anderen umzusehen. Diese fanden wir vor allem in Uferbereichen, die durch herabhängende Äste, kleine vorgelagerte Schilfinseln oder unterspülte Ausbuchtungen den Fischen Deckung bieten, um dort auf herabfallende Insekten, Geckos und anderes Getier zu lauern. Auch hier gilt es, so nah wie möglich an den Unterschlupf heranzuwerfen, um den Barsch aus der Deckung zu locken und zum Biss zu verleiten. Bleibt der Biss unmittelbar nach dem Aufprall des Köders und wenigen Kurbelumdrehungen aus, ist in der Regel keine Attacke mehr zu erwarten und es kann unmittelbar zu einem neuen Wurf angesetzt werden. Vielleicht weniger spannend, dafür sicherlich nicht minder aussichtsreich, ist das Fischen im Freiwasser. Lokale Experten versicherten, dass es durchaus lohnenswert sei, es vom treibenden Boot aus mit Crankbaits zu versuchen. Wir waren jedoch mehr auf Spannung aus und werden auf diese Methode im nächsten Angelurlaub zurückkommen.

Blackbass Spot Mequinenza

Köder und Gerät

Blackbass Schwarzbass Köder BaitsBeschränken möchte ich mich auf die von uns eingesetzten Köder und Gerätschaften. Favoriten waren das Krebsimitat von Molix SV Craw in den Farben, Chartreuse, Braun und Schwarz sowie der Soft Bait Sawamura 3 One’ up Shad (www.goodrig.de). Ob an die Uferkante oder direkt an den Unterstand geworfen, diese Köder brachten die meisten Fische. Der Tipp eines Einheimischen, es mit Spinnerbait zu versuchen, erwies sich ebenso fängig wie die dazugehörige Begründung einleuchtend. Ein kleiner von der Felskante ins Wasser gezupfter Spinnerbait gerät direkt in Aktion und kann der Aufmerksamkeit eines in der Nähe stehenden Barsches nicht entgehen (Molix RS Spinnerbait 3,5 g, Alaska Sunrise). 

Für Würfe aus weiter Distanz an die Uferkante im Flachwasserbereich bewährten sich Crankbaits ganz hervorragend. Gerade bei stärkerem Wind waren sie das geeignete Mittel, um zielgenau zu treffen. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem der…….

Auf keinen Fall im Reisegepäck fehlen dürfen Oberflächenköder. Bei absoluter Beißflaute kramte Helmut den Oberflächenköder, Molix Proteus MTW 90( erhältlich bei www.pike-attack.de), aus seiner Angelkiste hervor. Für mich das Zeichen, es mir auf der Bugplattform bequem zu machen und zu verfolgen, wie Helmut den Molix im „walk the dog“ Stil über das Wasser führte. Über Attacken auf Oberflächenköder ist alles gesagt und geschrieben. Sie gehören zweifellos zu den spektakulärsten und intensivsten Angelerlebnissen und sind kaum zu steigern. Vielleicht nur, wenn es sich um eine Schwarzbarschattacke handelt. Eine davon brachte den mit 56 Zentimetern größten Barsch unserer Ebro-Tour (Glückwunsch Thomas!).

Bei der Auswahl des Geräts kommt es wie so oft, „drauf an“. Sind Hindernisse im Wasser zu erwarten? Wird auf kurze oder weite Entfernung gefischt? Soll es auch Dropshot oder Texas/Carolina-Rig sein? Wir angelten ausschließlich vom Boot aus in Bereichen, in denen kaum Hindernisse vorkamen. Helmut vertraute seiner Baitcaster-Combo, ich dagegen meiner 210 cm und Wg.30 Spinnrute. Beide fischten wir mit geflochtener Schnur mit 8,9 kg Tragkraft und einem 35 Flurcarbonvorfach von circa 1,5 m Länge.

 

Reisedetails

Zu fünft waren wir vom 9.-17. Mai 2014 unterwegs. Norbert und Thomas fuhren mit dem Auto nach Mequinenza voraus, was den Materialtransport erheblich erleichterte. Torsten, Helmut und ich flogen von Köln/Bonn nach Barcelona von wo aus es mit einem Mietwagen weiterging. Hervorragend untergebracht und betreut wurden wir von Oli (www.urlaub-nach-mass.com). Absolut zu empfehlen! Gemietet hatten wir uns zwei Boote. Ein größeres mit 50 PS und ein kleineres mit 9 PS, das sich sehr beim Schwarzbarschangeln in den kleineren Buchten bewährte.

Glücksache ist immer, die richtige Zeit und die richtigen Bedingungen für den gewünschten Fisch zu erwischen. Für den Wels, der gerade beim Laichen war, kamen wir circa 10 Tage zu früh; für den Schwarzbarsch dafür genau richtig. Zander scheint es mit ganzjähriger Beißlaune unerschöpflich im Ebro zu geben. Große Fänge von Flussbarschen sind vor allem im Herbst und –kleiner Tipp am Rande – mit ASP-Spinner von Spro möglich.

 

Zum Schluss

Johannes Dietel hat es in einem Bericht über den Einstieg in die Schwarzbarschangelei so beschrieben: „So ein Blackbass-Trip ist kaum zu übertreffen, aber mit Vorsicht zu genießen, weil’s bislang noch keine Medizin gegen das schwarze Fieber gibt!“

Recht hat er. Und kalter Entzug wird für mich auch keine Lösung sein.

Übrigens, Helmut erwähnte auf der Heimreise ein grandioses Schwarzbarschrevier irgendwo im noch tieferen Süden von Spanien, das er sich 2015 mal vornehmen wolle. Er muss bestimmt nicht alleine dorthin fahren.

Der Ebro bietet noch mehr wie Schwarzbarsche. Wir haben regelmäßig große Flussbarsche, Zander und Waller als Beifang beim Spinnfischen auf Schwarzbarsch und wenn die Zeit es zulässt, legen wir auch noch den ein oder anderen großen Waller auf die Schuppen !

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Quelle: W.Schulze / H.Schoddel

 

Der Artikel wurde in Rute & Rolle, Ausgabe Januar 2015, veröffentlicht.