Titan - Das "Stahlvorfach" für kleine Suspender

Illex Tiny Fry, Berkley Frenzy Deep, Illex Squad MinnowWer von uns stand nicht schon am Wasser und bemerkte, nach dem man den neusten Suspending-Wobbler einer japanischen Waffenschmiede in den Snap hing, dass der Lauf total hinüber ist bzw. aus dem "suspending" ein "sinking" Bait wurde? Doch was tun in einem Gewässer, indem Hechte nicht auszuschliessen sind? Zum Glück hat auch hier die moderne Angelzubehör-Manufaktur das richtige Material für uns. Ursprünglich für die Raumfahrt genutzt und in diversen Legierungen weiterentwickelt, ist es in der Gegenwart ein ähnlicher Quantensprung für die Angelei wie seinerzeit das 7x7Geflecht(ursprünglich entwickelt für die Zahnmedizin). Doch warum ein neues Material wenn 7x7 Stahl in Sachen Durchmesser, Flexibilität, und Tragkraft sämtliche Ansprüche des Spinnfischers zu befriedigen vermag?

Nun, seitdem diese kleinen schwebenden High-Tec-Fangmaschinen längst in jeder Tacklebox ihren festen Platz gefunden haben, steht der Angler vor dem Problem, genannte Eigenschaften aufrecht zu erhalten. In Gewässern ohne Hechtbestand mag es einfach erscheinen, Dank perfektem Lauf dieser Wunderwerke, etliche Döbel, Barsche, Rapfen, uvm. an den Haken zu bekommen. Sind jedoch Hechte Bestandteil der Unterwasserfauna, bleibt nur die Verwendung von Stahl. Von Experimenten mit Hardmono ist abzuraten. Der Verzicht auf hechtsicheres Vorfachmaterial ist bestenfalls fragwürdig, doch eher mit Verachtung abzustrafen. Basteleien aus Hardmono mit einem kurzem Endstück Geflecht/Titan, sind ein guter Anfang, aber auch kein Allheilmittel. Jeder der bereits einen ansatzweise kapitalen Hecht drillen durfte, weiss wie schnell ein Paar Zentimeter überbrückt und das Vorfach gekappt ist. Ein Hecht 70+ könnte einen kleinen Hardbait direkt in den Schlund saugen und in Kontakt mit dem Mono kommen und dieses folglich kappen. Das Bild soll verdeutlichen wie sich selbst kleinere Exemplare unsere Kunstköder 'reinziehn' können. Der Salmo Hornet ist schon fast im Schlund des Tieres verschwunden.Hechtschlund,  Hornet, Hechtmaul Oftmals vollführt Meister Esox auch die sogenannte "Hechtrolle", wobei er sich um die eigene Achse dreht. Nichtmal eine Umdrehung später, wäre er über dieses Endstück hinaus und würde das untaugliche Material z.B. mit den scharfen Kiemenbögen entzweien. Dies gilt ebenfalls für zu kurz gewählte Vorfächer aus geeignetem Material!

Durch die Verwendung von Titan werden die beschriebenen Probleme gelöst. Titan ist korrosionsfrei. Es wiegt knapp die Hälfte (~45%) von Stahl, ist aber dennoch widerstandsfähig und belastbar. Hinzu kommt der sogenannte "Memoryeffekt", sprich es ist knickfrei und dehnbar. Durch die lange Haltbarkeit wird der höhere Preis relativiert. Ein dennoch verbogenes Titanvorfach kann mit einem Feuerzeug erwärmt werden und der Kringel durch leichtes ziehen an beiden Enden geglättet werden. Vorsicht! Aufgeglühtes Titan ist porös und nicht mehr verwendbar.

Hauptargumentation pro Titan ist aber das Gewicht, bei allen Vorteilen welche dünner, flexibler Stahl auch bietet. Zur weiteren Gewichtreduzierung, wird auf Vorfachkomponenten wie Wirbel und Klemm-/Quetschhülsen teilweise oder ganz verzichtet. Dazu bedarf es lediglich grundlegender Knotenkenntnisse. Einleitend sei noch erwähnt das für die Befischung von Barsch, Döbel, Forellen & Co ein 10LB (entspricht 4.5KG) Draht und für die leichte Hechtangelei ein 15LB (entspricht 6.7KG) Draht zum Einsatz kommt.

Die 10LB-Variante

Stellt das reine Barschvorfach dar, das dennoch genug Reserven besitzt, auch einen stattlichen Hecht noch landen zu können. Die Verbindung Vorfach zum Snap/Einhänger stellt man mit einer Klemm-/Quetschhülse der Größe 0(Innendurchmesser ~0,6mm) her. Durch die entstehende kleine Öse hat Euer Köder so ein Maximum an Bewegungsfreiheit. Alternativ kann man auch getrost auf sämtliche Koppelelemente verzichten. Die Verbindung Snap/Einhänger wird dann mittels Weltausstellungsknoten realisiert (Ein einfacher Grinner-Knoten ist ebenfalls eine erprobte Möglichkeit, den Snap anzuknüpfen). Dies geht natürlich ein bisschen zu Ungunsten der Beweglich, womit man durch beispielsweise einem größeren Sprengring, am Twitchbait/Wobbler, entgegenwirken kann.

weltausstellungsknoten, Verbindung Snap

Die Hauptschnur verbinden wir mit dem doppelten Grinner (auch als doppelter Uni-Knoten bekannt) am Titanvorfach. Das Ende des Geflechts sollte ca. 10 mal das Titan umschlingen(variert je Schnur), wobei zwei Wicklungen des Titans um die Hauptschnur völlig genügen.

Grinnerknoten, doppelter Grinner, doppelter Uni-Knoten

Das Ergebnis würde im Idealfall wie folgt aussehen:

Uni-Knoten, Grinner-Knoten

In Jedem Fall sollte man seine Vorfächer nach Fertigstellung, genau prüfen. Das Titan darf nicht geknickt sein und sich auch bei Zug nicht knicken. Ein "schlecht" geknüpftes Vorfach wird einen händischen Zugtest nicht bestehen und schon bei leichten Zug brechen. Doch lasst Euch nicht entmutigen. Das Laufverhalten Eurer Hardbaits wird Euch für den Aufwand entschädigen. Auch empfiehlt es sich - je nach Erfahrung beim Knüpfen - ein paar Probevorfächer aus z.B. Hardmono und Geflecht zu binden, an Stelle des teuren Titan.

Die 15LB-Variante

Diese Variante stellt das gewichtsreduzierte Raubfischvorfach für die leichte Hechtangelei, mit etwas groesseren Suspendern dar. Natürlich kann der Angler selbst entscheiden wo er knotet und wo quetscht/klemmt. Bei der Verbindung Snap/Einhänger greifen wir auf die gute, alte Klemm-/Quetschhuelse(Gr.1 Innendurchmesser ~0,8mm) zurück. Zum einen ist dies das Mittel der Wahl, da der 6.7KG tragende Titandraht sich recht wiederspenstig beim Knoten verhält und man neben Nerven, recht viel Zeit pro Vorfach braucht. Zum Anderen wird durch die offene Schlaufe das Minus an Beweglichkeit, aufgrund des steiferen Material, egalisiert. Die Verbindung zur Hauptschnur wird ebenfalls, unter Verwendung des doppelten Grinner hergestellt.

Titanvorfach richtig klemmen

Auch das beste Vorfach hält nur sicher, wenn es perfekt gebaut wurde. Achtet beim Vorfachbau, unter Verwendung von Klemm-/Quetschhülsen darauf, dass die Stränge parallel in der Hülse liegen bevor diese gequetscht wird(siehe Abb. rechts).

Als Snap/Einhänger empfehle ich i.d.R Duo Lock Snaps der Größe 1.


Laichhecht, grosser LahnhechtZur gezielten Jagd auf Meister Esox kann ich Jedem nur raten, unbedingt die 15LB-Variante zu verbauen. Somit sollte einer sicheren Landung, auch kapitaler Hechte nichts im Wege stehen. Im Sinne des Tieres sollte man immer sicher angeln und nicht aus Fehlern lernen. Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich während der Arbeit an diesem Artikel einer recht kapitalen Hechtdame, mit der 10LB-Variante am Barschtackle, ganze drei Fluchten paroli bieten konnte, bevor der Fisch nach wenigen Minuten sicher gelandet wurde.

 

 

Letztendlich möchte ich mich noch bei Allen bedanken, die mir selbstlos einige der verwendenden Grafiken überlassen haben.

So long ... everytime tight lines ;-)

regards

Peter Plantage