Spinnfischer auf Abwegen 1/3 - "Modernes Karpfenangeln"

Tackle

 

Das Karpfenangeln gehört wohl zu den umfangreichsten und verbreitesten Angelarten unserer heimischen Gewässern. Natürlich gibt es viele verschiedene Methoden dem Karpfen nachzustellen, aber hier möchte ich einmal auf das "Moderne Karpfenangeln" eingehen. Modern deswegen, weil diese Art der Angelei von einer Hülle an Anglizismen geprägt ist. Nein, man fängt den Fisch nicht "einfach" mit Mais an der Pose. Es bedarf auch keiner Bissanzeiger, Rutenständer und Grundbleie. Der moderne Karpfenangler benutzt Beeper, Sounderboxen, Swinger und Rod Pod. Er weiß alles über Location, Spodden und wartet immer nur auf den nächsten Vollrun.

Ich werde keinesfalls auf jedes Detail eingehen. Dieser Bericht soll nur eine Übersicht über die wichtigsten Bereiche dieser Angelart geben. Dennoch werde ich den Wahnsinn des modernen Carp-Hunters darstellen, der vor keinen Kosten und Mühen zurückschreckt und den Erfolg für sich sprechen lassen. Ob es nun wirklich das Equipment ist, welches uns zum Fisch bringt, oder einfach die Begeisterung immer neues auszuprobieren. Genau das gehört zu unserem Hobby dazu. Nicht nur die Natur genießen und Fische zu fangen, sondern sich auch von neuem "Spielzeug" begeistern lassen und die Tackleboxen immer mehr zu füllen.

Zuerst möchte ich was über das Gerät sagen, das jeder Karpfenangler besitzen sollte. Am Markt werden Unmengen von Tackle angeboten, von dem man aber maximal die Hälfte wirklich benötigt. Als erstes wären da die Rute und Rolle zu nennen, die jeder Angler nach seinem Einsatzgebiet wählen sollte. Weite Distanzen erfordern eine große Schnurfassung und lange, etwas härtere Ruten. Bei kurzen Distanzen kann man auch Rollen unter 300m Schnurfassung und Ruten unter 3lbs Wurfgewicht verwenden, aber das sollte jeder nach seinen Anforderungen selbst entscheiden. Auch die Schnur sollte man nach den erforderlichen Distanzen bestimmen: Weit ---> geflochten, wegen der besserern Bissübertragung;          Kurz ---> monofil, wegen des besseren „Gefühls“ beim Nahkampf.

Wenn das Gerät optimal auf die vorliegenden Gegebenheiten abgestimmt ist, sind auch solche Kampfmaschinen wie dieser Schuppi kein Problem.

Schuppi


Als nächstes wäre die Frage der Rutenablage zu klären. Viele Karpfenangler verwenden Rod Pods, die bei hartem Boden und bei schlechter Untergrundlage (Steilhänge,...) ihre Vorzüge haben. Trotzdem haben auch Banksticks ihre Vorteile, wie z.B. die Flexibilität des Platzwahls und die einfache Handhabung.

Weitere unentbehrliche Utensilien sind die elektronischen Bissanzeiger und Swinger, die viele Vorteile mit sich bringen. Wie sollte man sonst nachts, wenn man grade schläft, den Biss hören? Wie sollte man sonst einen Fallbiss erkennen? Nur mal um einige zu nennen…

Außerdem sollte jeder Carp-Hunter einen Kescher und eine Abhakmatte besitzen, diese aber so bestimmen, dass wirklich jedes Wasserschwein keine Verletzungen davon trägt. Beim Kescher auf möglichst kleine Maschen achten, um die Flossenstränge des Karpfens zu schonen und die Bügellänge sollte mindestens einen Meter betragen. Wie der Kescher kann auch die Abhakmatte gar nicht groß genug sein. Das gilt besonders bei Graskarpfen, weil sie dazu neigen, erst beim Abhaken so richtig loszutoben.

Bei diesem 65cm großen Spiegler wurde die Abhakmatte mit einem Wiegesack kombiniert, um das Gewicht des Karpfens einfacher zu ermitteln.

Karpfen auf Abhakmatte


Beim Stuhl und der Liege kann der Angler nach seinen eigenen Wünschen wählen. Meine Liege z.B. hat acht Beine, somit kann man sich auch aufs Ende setzen, ohne dass sie umkippt. Auch beim Zelt und Schirm besitzt man freie Auswahlmöglichkeiten. Aber nen kleiner Tipp: Kauft euch kein schwarzes Zelt, da es bei Tag stockfinster ist und bei Sonne die Temperatuten jenseits der 50 Grad ansteigen...

Im Folgenden werde ich auf die Montage eingehen, die meiner Meinung nach der eigentliche Schlüssel des Erfolgs ist. Ich werde auf keinen Fall alle aufzählen, weil dann wäre ich morgen noch nicht fertig.

Fast alle Karpfen werden heute am Grund mit der so genannten Selbsthakmontage gefangen.

Dies lässt sich leicht erklären: Der gründelnde Karpfen saugt unseren Köder ein, merkt, dass die Sache einen Haken hat und spuckt ihn wieder aus; dabei bleibt der Haken bereits hängen, der Fisch bekommt einen Schreck und flüchtet, somit hakt er sich nach wenigen Zentimetern durch den Widerstand unseres Grundbleis selbst.

Bei diesen fantastischen Unterwasseraufnahmen von Jerome Moisand könnt ihr beobachten wie der beschriebene Sachverhalt funktioniert!

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So sieht die Selbsthakmontage aus, mit der man in den meisten Fällen auf der sicheren Seite ist:

Selbsthakmontage

Dabei wird die obere Öse des Vorfachwirbels ins Blei gesteckt. Das hierbei verwendete Leadcore kann auch durch einen simplen Kunststoffschlauch ersetzt werden. Achtet aber darauf die obligatorischen 60 Gramm nicht zu unterschreiten. Ich persönlich fische meist jenseits der 80 Gramm.

Mein Kumpel Julian konnte mit dieser einfachen Montage u.a. diesen 31-pfündigen Schuppenkarpfen überlisten.

dicker Schuppi

 


Zu den Ködern werde ich nicht all zu viel sagen, da jeder selbst rausfinden muss welcher Boiliegeschmack bzw. Farbe und welche Partikelköder die Karpfen in seinem Gewässer ansprechen. Zum Beispiel in unserem See stehen die Karpfen nur auf weiße Boilies, der Geschmack spielt eine Nebenrolle, aber das ist in jedem Gewässer unterschiedlich. Der Phantasie sind bei der Köderwahl keine Grenzen gesetzt. Boilies, Partikel, Kartoffeln, Brot und Hundefutter…der Karpfen ist ein Allesfresser!

Dieser Spiegelkarpfen biss auf eine Tigernuss-/Maiskombination.

guter Spiegler

 

Außerdem stellt sich die Frage, wie man die Karpfen an den Platz bekommt. Wenn wir an unserem Seen angeln, zählt bei uns das Motto: weniger ist mehr. Wir haben hier eigentlich nur Enten und Blässhühner die sich über unser Futter hermachen könnten. Die können natürlich auch zur Plage werden, aber bei uns stellen sie kein großes Problem dar. Es ist sinnvoll mehrere Tage im Voraus mit dem Füttern zu beginnen. Im Durchschnitt hat sich herausgestellt, das in den wärmeren Monaten Mai bis September eine Futtermenge von ca. 500 bis 1000 Gramm pro Futterplatz gute Ergebnisse brachten. Hier ist natürlich auch sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt. Diese Werte beziehen sich auf das von uns beangelte Gewässer und sollen nur als Hilfestellung dienen. Und legt euch bitte ans Herz nie mehr als nötig zu füttern, da man leider immer wieder "Karpfenangler" sieht, die Boilies zentnerweise in den See kippen. Das kann nicht nur zum Sauerstoffentzug des Gewässers, sondern schlimmstenfalls zu einem großen Fischsterben führen!

Hier sieht man ein Wurfrohr in Aktion:

Wurfrohr

 

Des Weiteren möchte ich die Location, die beim Karpfenangeln eine bedeutende Rolle spielt, ansprechen.  Wir machen uns vor einer Session an einem fremden Gewässer erstmal einen Eindruck:  Wo sieht man Karpfen an der Oberfläche? Gibt es offensichtliche Hot Spots wie überhängende Bäume, Inseln odere andere Anzeichen? Wo sieht man Fressspuren ("abgemähtes" Kraut, aufgewühlter Untergrund) von gründelnden Karpfen?

Nachdem ein aussichtsreicher Spot gefunden wurde, wird mithilfe eines Bleies, das einfach an die Hauptschnur geknotet wird, der Gewässergrund auf die Beschaffenheit untersucht. Dann wird die Tiefe durch eine Lotrute bestimmt. Diese zwei Möglichkeiten können auch durch ein Echolot ersetzt werden, aber meines Erachtens macht es eindeutig mehr Spaß auch mal mit der Taucherbrille die Spots unter Wasser zu erkunden. Außerdem spielt auch die Wassertemperatur eine große Rolle, wo sich die Karpfen gerade aufhalten. Unserer Erfahrung nach ist es wie bei den meisten Fischen. Bei kaltem Wasser stehen sie eher im Tieferen, bei warmen in den flacheren Bereichen. Es gibt natürlich aber auch Außnahmen.

Wenn die Location passt lässt auch der Erfolg nicht lange auf sich warten. Dieser 25 Pfund schwere Graskarpfen ging mir Frühjahr an einer der tiefsten Stellen unseres Gewässers an den Haken.

riesen Graskarpfen


Zu guter Letzt möchte ich noch anmerken, dass man bitte im Rahmen menschlicher Vernunft über ein selektives Zurücksetzten unserer Lieblinge nachdenkt. Denn je erfolgreicher das Angeln ist, desto nachhaltiger kann man die Unterwasserfauna durch zu viel Entnahme stören, da die Reproduktionsmöglichkeiten vielerorts leider völlig fehlen.

Release

 

Falls ihr konkrete Fragen zu dieser Thematik habt, könnt ihr mich gerne über die Kommentarfunktion oder auch im Forum anschreiben!

 

In diesem Sinne ein kräftiges Petri Heil,

Andreas Stadler