Spinnfischer auf Abwegen 2/3 – “Oberflächenfischen auf Karpfen”

Karpfen an der Oberflaeche

Als eine Art Geheimtipp wurde mir ein kleiner Vereinssee unweit von meinem Wohnort empfohlen. Insbesondere für ruhebedürftige Petrifreunde ein top Gewässer, da kaum frequentiert. Bei meinem ersten Besuch an dem See, roch es förmlich nach Hecht. Dem ausliegenden Fangbuch war zu entnehmen, dass wirklich kaum Angelbetrieb herrschte. Unweigerlich musste ich an die alte Hechtdame denken, die dort mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haust. In den kommenden Wochen fixierte ich mich nur auf dieses Gewässer. Von Klein- und Kleinstkoedern bis hin zu den grössten künstlichen Nahrungsimitaten, die meine Tackleboxen hergaben, wurde alles durchprobiert. Einen Hecht habe ich diesem Gewässer bis heute nicht entlocken können.

 

Neben Unmengen an Hechtfutter(Rotaugen, Schniepelbarschen und Karpfenbrut), habe ich an Fisch nur Karpfen ausmachen können, wie Sie ihre Kreise im Gewässer ziehen. Die Karpfen kannte ich mittlerweile sehr gut. Die Fressrouten waren mir bekannt und besonders die Angewohnheit Nahrung von der Oberfläche und knapp darunter (z.B. Insekten oder Schnecken unter Seerosen) aufzunehmen ebenfalls. Inspiriert von einem Forenmember und initiiert durch meine bereits beschriebene, rege Fantasie, fühlte ich mich alsbald wie Matze Koch. Der bleibt immer flexibel und fängt eben Fisch!

Karpfen bei Nahrungsaufnahme

Sofort eilte der „kleine Matze“ nach Hause. Es wurde im Keller geschaut, ob da nicht noch eine brauchbare Spinne steht. Bei der Suche flutscht mir dann noch meine kaputte Matchrute aus vergangen Tagen durch die Finger. Momentmal, wo war die nochmal beschädigt? Was war defekt? Ich konnte selbst mit kritischstem Auge nichts an der Rute aussetzen! Weswegen diese in meinem Kopf als defekt abgelegt wurde, kann ich im Nachhinein nicht nachvollziehen. Ruten-technisch besser ausgestattet als erwartet marschierte ich zu meinem Angelschrank, um ein kleines Mitchel 310X „Barsch-Kaffeemühlchen“ als passenden Partner fuer die Matchrute auszusuchen. Bespult war diese mit einer 18er monofilen SPRO Super G-Line, eine Klasse Schnur! Karpfenhaken hat der typische Spinnangler natuerlich keine. Kurz in der „Wühlkiste“ gekramt und mit einen Päckchen DropShot-Haken wohl genau das richtige fuer meine Zwecke gefunden.

Das Gerät und Montage ist denkbar einfach: „Rute & Rolle, Schnur & Haken!“ Klasse, fast wie beim Spinnfischen ;-).Schwimmbrot

Auf dem Rückweg zum See wurde beim Bäcker ein Baquette und beim Angelshop eine Ködernadel eingepackt. Schon wurde die – nennen wir es mal Montage – mit etwas Brot bestückt ein ein kleiner Auslöser, fuer etwas mehr Halt, angebracht.

Rute in die Hand, den Brotköder zur Beschwerung kurz ins Wasser tunken und ab dafür. Kurze Zeit nach dem gefühlvollen aber weiten Schlenzer, mit ungewohnt langer Matchrute zeigten schon die ersten Weissfische Interesse am Köder. Fortan musste der Köder ca. alle 5min, wegen der gefräßigen Weissfische, gewechselt werden. Das ist zwar nervig, aber ich wäre nicht Matze Koch Junior, wüsste ich nicht das genau dieses Schmatzen den Fressneid der Karpfen wecken würde.

Dann passierte endlich was ich beiläufig immer mal wieder gelesen habe. Ein grosser Schatten tauchte auf, ich hörte ein „Schlüüürf-Schmatz!“ und der Schatten verschwand wieder in einem Wasserschwall! Jetzt hies es Schnur auf Spannung bringen und einen Anhieb setzen. Jup sitzt! Wenige Minuten Drillzeit später konnte ich meinen ersten Oberflächen-Satzer landen.

Karpfen in Kescher

Den kleinen Kerl zu drillen bereitete mir wirklich große Freude und so verschlug es mich immer wieder an jenen See. Es dauerte selten länger als 1Stunde bis ich wieder mal einen schönen Karpfen an der Rute hatte.

Zwei Satzkarpfen

Selbstredend werde ich diese absolut aufregende und spannende Angelmethode beibehalten und immer mal wieder einen Abstecher zu diesem idyllischen Ort machen.

Im Übrigen ist diese Angelart absolut frauenkompatibel. Ich habe meiner Perle ein schönes Picknick an einem verträumten Stück Erde versprochen, klammheimlich legte ich die Matchrute aus und fing keine 45min wieder einen Fisch. Am Rückweg gab’s ein Eis für’s Frauchen und ich durfte mich mit dem Prädikat "erfolgreicher Angler" und "Traummann" schmücken ;-)


regards

Peter Plantage